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Der ge|halt|volle Horizonterweiterung 10.2 ////////////////////////////////////////////////////////////////
fen, mir vorzustellen, dass nach und die Geduld aufbringen, bis es
dem „Berg des Leidens“ das Ziel vorbei war. Beim Marathon kann
nicht mehr weit ist. Der Berg ist immer etwas Unvorhergesehenes
nicht das Ende - es kommt etwas passieren. Einmal musste ich bei
nach dem Leiden. Die Vorstellung Kilometer 35 dringend aufs „Di-
vom vollbesetzen Stadion, wo je- xiklo“, weil ich tags zuvor etwas
der Läufer einzeln begrüßt wird, Falsches gegessen hatte. Bei die-
der tolle Zieleinlauf, der Applaus sem Rennen habe ich meine ange-
der Zuschauer, die Freunde, die strebte neue Bestzeit im wahrsten
dort auf mich warten, gaben mir Sinne des Wortes „verkackt“.
dann die Motivation und Kraft, • Und wie fühlt man sich, wenn
durchzuhalten und das Ziel noch man durchs Ziel läuft?
zu erreichen. Oder ein andermal, In der Regel einfach glücklich, gut,
als ich bei einer Deutschen Meis- erleichtert und stolz, dass man es
terschaft in meiner Altersgruppe wieder einmal geschafft hat – und
vorne lag und wusste, ich kann ge- in Anbetracht der zurückliegen-
winnen. Dieses Wissen hat mich den Strapazen habe ich mir dann
motiviert, Reserven mobilisiert schon oft gedacht: Das war jetzt
und mich beflügelt ins Ziel getra- bestimmt dein letzter Marathon! Wer ist Hans Heidelberger?
gen. Aber auch die Vorstellung, Dieser Vorsatz war aber meist Hans Heidelberger ist Mitgrün-
beim Berlinmarathon, den ich schon nach ein paar Stunden wie- der und langjähriger Leiter des
schon zwölfmal gelaufen bin, am der verflogen und ich machte mir Vereins „nehemia team“ in Fürth.
Ende durchs Brandenburger Tor Gedanken, wo ich den nächsten Das nehemia team ist eine inter-
zu laufen, lenkt mich die letzten Marathon laufe. nationale christliche Entwick-
Kilometer vor dem Ziel etwas von • Und das wäre bei dir wo? lungsorganisation und hat das
den Strapazen des Laufes ab. Auf meiner „Wunschliste“ steht Ziel, ganzheitliche Entwicklungs-
• Und wenn nicht alles nach nächstes Jahr ein Marathon in arbeit zu fördern und zu leisten.
Plan läuft? Auckland/Neuseeland. Dann Unter dem Motto „Leben entwi-
Okay, es gibt natürlich unvor- wäre ich 70 und würde ihn gern ckeln“ bietet es weltweit ein brei-
hergesehene Ereignisse, die einen noch in einer Zeit Richtung 3:45 tes Spektrum an Aktivitäten im
wirklich herausfordern. Plötzlich Stunden bewältigen. Man braucht Bereich Bildung, sozialkaritativer
nimmt die Temperatur zu und es ja auch im Alter noch Ziele. Und Projekte, Schulung, Beratung,
wird viel wärmer als auf den ersten besonders dankbar bin ich mei- Jugendarbeit, Coaching sowie
Kilometern. Kann ich mich dann nem Schöpfer, dass ich auch mit Hilfsdienste an. Dabei versteht
noch in meiner Kräfteplanung da- meinen zwei „neuen“ Hüften, die es sich als eine „Lebenswerkstatt“
rauf einstellen, meine Geschwin- ich vor vier Jahren eingesetzt be- für junge Menschen dieser Welt.
digkeit anpassen? Oder es fängt kommen habe, immer noch die- Mehr hierzu hier:
plötzlich an heftig zu regnen. Ein- sem schönen Hobby nachgehen
mal bekam ich Seitenstechen und kann!
musste erst einmal „runterfahren“ Im Alter von 45 Jahren hat er für
sich das Marathonlaufen „ent-
deckt“. Höhepunkte waren dabei
2010 der Gewinn der Deutschen
Meisterschaft in der Altersklasse
M55 im Einzel und in der Mann-
schaft. Auch auf der Bahn (800m
und 3000m) war er seitdem
mehrfach mit der Mannschaft
des LAC Quelle Fürth bei Baye-
rischen und Deutschen Meister-
schaften (DAMM) erfolgreich.
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